Game changer: Wie bionische Prothesen Leben verändern können und was AI dabei für eine Rolle spielt._

April 13, 2018

[ Immer wieder verlieren Menschen durch Unfälle, Krankheiten oder Krieg ihre Gliedmaßen Erst in jüngerer Zeit ist der Ersatz gelegentlich so gut, dass die High-Tech-Prothesen ihren Besitzern sogar wieder Bergbesteigungen oder das Durchschwimmen des Ärmelkanals erlauben. Doch bis dahin war und ist es ein langer (Forschungs-)Weg.

 

Noch im Mittelalter ermöglichten Holzbeine den Beinamputierten die Fortbewegung.

 

Später erlangte dann die eiserne Hand des Ritters Götz von Berlichingen Berühmtheit. Erstmals konnte er damit – Anfang des 16. Jahrhunderts – Gegenstände greifen und festhalten - wenn auch nur unter Mithilfe seiner gesunden linken Hand.

 

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Prothesentechnik angesichts der vielen Verstümmelten des Ersten und Zweiten Weltkriegs rasant weiter: Mit Hilfe von Sprungfedern bemühten sich Handwerker etwa, die ursprüngliche Funktion der Körperteile immer besser nachzuahmen. Die Zahl der Gelenke in den Prothesen nahm zu.

 

Der erste Versuch, den Patienten eine Prothese willentlich steuern zu lassen, war der so genannte Sauerbruch-Arm, den der deutsche Chirurg Ferdinand Sauerbruch (1875 – 1951) entwickelte.

 

Noch später im 20. Jahrhundert ermöglichten es dann aufeinander abgestimmte Federn, dass künstliche Knie- und Knöchelgelenke eine Laufbewegung simulierten, wenn es beim Aufsetzen einer Beinprothese auf den Boden zu einer Schwerpunktverlagerung kam.

 

Doch erst in den 1980er Jahren wurde es möglich, Prothesen aktiv mit Motoren zu bewegen.

 

Seitdem hat sich viel getan. So groß die Fortschritte sind, der Weg zum Massenprodukt ist steinig. Jetzt steht die Branche kurz vor dem exponentiellen Durchbruch doch – soviel steht fest – in keiner Branche wird das Thema AI so strapaziert wie in dieser.

 

Ein Team der Universität Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania behandelte schon vor einigen Jahren eine 53-jährige Frau, die aufgrund einer Erkrankung des Nervensystems seit Jahren ihre Arme und Beine nicht mehr bewegen kann. Dank der US-Forscher kann die vom Hals abwärts gelähmte Frau allein mit ihren Gedanken eine neu entwickelte Roboterhand steuern. Entscheidend für den Fortschritt ist dabei eine neue Art der Übersetzung von Nervenimpulsen, die sich mehr an der natürlichen Steuerung der Muskeln orientiert.

 

Und auch die Engländer forschen was das Zeug hält. Das Konzept, das Biomediziner an der britischen Newcastle University ausgeheckt haben, gibt dem Thema einen völlig neuen Dreh: Eine Roboter-Armprothese mit Greifreflex dank eigenem Auge. Nähert sich die künstliche Hand einem Objekt, bereitet sich die Prothese schon mal aufs Greifen vor, um bei einer weiteren Annäherung automatisch passgenau und situationsgerecht zuzugreifen, wozu die mitdenkende Prothese mit ausgefuchster Bilderkennung und lernfähige Software ausgestattet ist.

 

Auf der diesjährigen Digitalmesse South by Southwest (SXSW) wird konsequent an der Zukunft gebastelt: Aimee Mullins, Hugh Herr und Hans Georg Näder – drei führende Köpfe der Prothetik – stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne und diskutieren darüber, wie Visionen und Innovationen das Leben von Menschen mit Prothesen zukünftig revolutionieren.

 

Ein Thema von großer Bedeutung, denn inwieweit sich ein Leben durch eine intelligente – in dem Fall „nur“ muskulös gesteuerte – Prothese verändern kann, zeigt das Model Rebekah Marine. Marine kam ohne rechten Unterarm zur Welt. Sie wollte als Model vor die Kamera, erhielt aber nur Absagen. Dass sie es trotzdem nach New York geschafft hat, begann mit einem Stück Metall, denn mit Anfang Zwanzig entschied sie sich, sich eine Armprothese zuzulegen: Seit 2011 trägt Rebekah Marine einen myoelektrischen – das heißt mit einer Batterie betriebenen und durch die Muskelkontraktion in Bewegung gesetzten – Unterarm.

 

Der neue Arm gab ihr wieder Mut. Sie schmiss den Job und probierte ihr Glück als Model. Mit Erfolg. Die 28-Jährige lief 2015 erstmals an der New York Fashion Week und hat es mittlerweile schon in Zeitschriften wie „TIME“, „People Magazine“ und „Teen Vogue geschafft.

 

„A prosthesis I can control with just one simple movement. It´s a game changer – just like me!” Mit diesen Worten wirbt die US-Amerikanerin mittlerweile als Botschafterin auf der Website ihres Prothesen-Herstellers Touch Bionics.

 

Dieser entwickelte – nach eigenen Angeben –  die erste Handprothese mit fünf individuell beweglichen Fingern und ist das erste Unternehmen, das eine elektronisch kontrollierte Teilhandprothese anbietet. Die bionischen Prothesen sollen Amputierten und Personen mit Hand- oder Teilhandverlust helfen, ihr Selbstbewusstsein und ihre Unabhängigkeit im Alltag wieder zu erlangen.

 

"She decided that missing an arm wasn’t a crutch, but a beautiful way to help other people with disabilities embrace their beauty and embrace their aspirations." So lautet ein Zitat aus der TIME.

 

Wir ziehen den Hut vor Rebekah und können nur bestätigen: You are a game changer!

 

Ein tolles Vorbild dafür, immer an sich zu glauben und die eigenen Chancen aufgrund von Behinderungen nicht niedriger einzustufen. Denn: Schön sein beginnt damit, sich schön zu fühlen! ]

 

Quellen: Handprothese mit Greifreflex

               gedankengesteuerte Handprothese

 

 

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